[Kernkraft-Investitionen]: Die kontroverse Debatte – Ist Atomkraft jetzt Green?
Inhaltsverzeichnis
- Die EU-Taxonomie: Ein Game Changer für Kernkraft?
- Internationale Perspektiven: Ein Flickenteppich der Energiewende
- Pro und Kontra: Die Argumente im Detail
- Technologische Entwicklungen: Was die Zukunft bringt
- Investitionslandschaft und ökonomische Aspekte
- Fazit: Zwischen Klimazielen und Sicherheitsbedenken
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Die Energieversorgung der Zukunft ist ein heiß diskutiertes Thema, und mitten in dieser Debatte steht die Kernkraft. Lange Zeit als Auslaufmodell gehandelt, erlebt sie nun, befeuert durch Klimaziele und die Notwendigkeit einer sicheren Stromversorgung, eine Renaissance – zumindest in den Augen einiger. Die Europäische Union hat mit der Aufnahme von Atomkraft in die Taxonomie für nachhaltige Investitionen für Aufsehen gesorgt. Doch was bedeutet das wirklich? Ist Kernenergie jetzt "grün" und damit ein attraktives Investitionsziel, oder ist dies lediglich ein geschickter Schachzug zur "Aufhübschung" einer kontroversen Technologie? Tauchen wir ein in die vielschichtige Debatte, beleuchten die Fakten und werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Perspektiven weltweit.
Die EU-Taxonomie: Ein Game Changer für Kernkraft?
Im Juli 2022 hat die Europäische Union eine Entscheidung getroffen, die die Landschaft der Energieinvestitionen nachhaltig verändern könnte: Kernkraft wurde, unter bestimmten Auflagen, in die Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten aufgenommen. Dies bedeutet im Kern, dass Investitionen in neue oder bestehende Kernkraftwerke als "grün" und somit als Teil einer nachhaltigen Energieversorgung deklariert werden können. Die Bedingungen sind dabei nicht unerheblich: Neue Anlagen müssen bis 2050 über ein Konzept für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle verfügen, und sie dürfen keine wesentlichen Umweltschäden verursachen.
Die Debatte, die dieser Beschluss entfachte, ist immens. Befürworter sehen darin einen pragmatischen Schritt zur Dekarbonisierung und zur Sicherung der Energieversorgung. Sie argumentieren, dass Kernkraft im laufenden Betrieb nahezu keine CO2-Emissionen verursacht und damit eine wichtige Säule für das Erreichen der Klimaziele darstellt. Kritiker hingegen sprechen von "Greenwashing" und werfen der EU vor, die Risiken der Atomkraft zu bagatellisieren. Sie verweisen auf die ungelöste Problematik der Atommüllentsorgung, die potenziellen Gefahren bei Unfällen und die lange Bauzeit sowie die hohen Kosten neuer Anlagen. Die Aufnahme in die Taxonomie öffnet der Kernenergie jedoch die Tür zu enormen Finanzströmen, die zuvor ausschließlich für erneuerbare Energien vorgesehen waren. Dies könnte einen massiven Ausbau der Kernkraftkapazitäten in Europa zur Folge haben, was wiederum die Energiewende in eine neue, ungewisse Richtung lenken könnte. Das Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission lieferte die wissenschaftliche Grundlage für diese Entscheidung, doch die politische Auslegung und die Akzeptanz dieser Klassifizierung bleiben hoch umstritten.
Vergleichende Analyse der EU-Taxonomie-Entscheidung
| Aspekt | Pro Taxonomie (Befürworter) | Contra Taxonomie (Kritiker) |
|---|---|---|
| Klimaziele | Wichtig für CO2-arme Stromerzeugung | Risiken und Müllentsorgung werden ignoriert |
| Finanzierung | Erschließung von Kapital für Energie-Infrastruktur | Umlenkung von Investitionen weg von Erneuerbaren |
| Nachhaltigkeit | Definiert klare Kriterien, wenn diese erfüllt werden | Kernenergie ist per se nicht nachhaltig |
| Abfallfrage | Lösungsansätze gefordert, aber machbar | Ungeklärte Langzeit-Entsorgung |
Internationale Perspektiven: Ein Flickenteppich der Energiewende
Während die EU einen Weg einschlägt, der die Kernkraft zumindest in finanzieller Hinsicht als potenziell nachhaltig einstuft, zeigen sich international höchst unterschiedliche Entwicklungen. Deutschland hat sich bewusst für den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden und seine letzten Meiler im April 2023 abgeschaltet. Dies steht im starken Kontrast zu Ländern wie Frankreich, das nach wie vor stark auf Kernenergie setzt und sogar die Laufzeiten seiner bestehenden Reaktoren verlängert und Neubauten in Betracht zieht. Auch Großbritannien verfolgt einen ähnlichen Kurs.
Besonders dynamisch ist die Entwicklung in Asien. China und Indien planen einen massiven Ausbau ihrer Kernkraftkapazitäten, um ihren rasant wachsenden Energiebedarf zu decken und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Diese Länder sehen in der Kernenergie eine Schlüsseltechnologie für eine stabile und CO2-arme Stromversorgung. Kleinere, modulare Reaktoren (SMRs) werden weltweit als vielversprechende Zukunftstechnologie diskutiert. Sie versprechen geringere Baukosten, kürzere Bauzeiten und höhere Flexibilität. Bisher gibt es jedoch im Westen kaum konkrete Projekte, die über die Planungsphase hinausgekommen sind. Die internationale Landschaft der Kernenergie ist somit ein komplexes Mosaik aus Ausbau, Weiterbetrieb und Ausstieg, geprägt von nationalen Gegebenheiten, wirtschaftlichen Interessen und unterschiedlichen Risikobewertungen.
Globale Kernkraft-Trends im Überblick
| Region/Land | Aktueller Status | Zukünftige Ausrichtung |
|---|---|---|
| Deutschland | Ausstieg abgeschlossen (2023) | Fokus auf erneuerbare Energien |
| Frankreich | Hoher Anteil, über 50 Reaktoren | Laufzeitverlängerungen, Neubauprüfung |
| China | Wachsende Kapazitäten | Weltweit führend im Neubau |
| USA | Viele ältere Reaktoren, aber geringer Neubau | Fokus auf SMRs und Laufzeitverlängerungen |
Pro und Kontra: Die Argumente im Detail
Die Debatte um die Kernenergie ist polarisierend, und das aus guten Gründen. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die die Kernkraft als unverzichtbare Technologie zur Erreichung der Klimaziele preisen. Der wohl stärkste Trumpf ist die geringe CO2-Bilanz während des Betriebs. Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen emittiert ein Kernkraftwerk während der Stromproduktion praktisch kein Kohlendioxid, was es zu einem wichtigen Werkzeug im Kampf gegen die globale Erwärmung macht. Darüber hinaus liefert Kernenergie zuverlässig und grundlastfähig Strom, unabhängig von Wetterbedingungen wie Sonnenschein oder Wind. Dies gewährleistet eine hohe Versorgungssicherheit und stabilisiert die Stromnetze, was besonders angesichts der steigenden Nachfrage durch die Digitalisierung und Elektromobilität von Bedeutung ist. Auch die Fläche, die für ein Kernkraftwerk benötigt wird, ist im Vergleich zu manchen erneuerbaren Energien relativ gering.
Demgegenüber stehen die vehementen Kritiker, die die Risiken und Nachteile der Kernenergie hervorheben. An vorderster Front steht die ungelöste Frage der Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll. Dieser Abfall bleibt über Hunderttausende von Jahren gefährlich, und es gibt weltweit noch kein einziges endgültig sicheres Endlagerkonzept, das auch nur annähernd umgesetzt ist. Die lange Lebensdauer und die hohen Kosten für den Bau und Rückbau von Kernkraftwerken werden ebenfalls kritisch betrachtet. Der Bau eines neuen Reaktors kann sich über ein Jahrzehnt hinziehen und die ursprünglich veranschlagten Kosten leicht verdoppeln oder gar verdreifachen. Nicht zuletzt sind da die Sicherheitsrisiken, die, wenn auch selten, katastrophale Folgen haben können, wie die Unfälle von Tschernobyl und Fukushima eindrücklich gezeigt haben. Diese potenziellen Gefahren und die langfristige Bürde des Atommülls lassen viele Menschen die Frage nach der Nachhaltigkeit der Kernenergie verneinen.
Gegenüberstellung der Argumente für und gegen Kernenergie
| Argument | Befürworter (Pro) | Gegner (Kontra) |
|---|---|---|
| Klimaschutz | Sehr geringe CO2-Emissionen im Betrieb, hilft Klimaziele zu erreichen | Gesamtbilanz (Bau, Rückbau, Brennstoff) berücksichtigen; nicht "grün" |
| Versorgungssicherheit | Grundlastfähig, wetterunabhängig, stabil | Abhängigkeit von Brennstofflieferungen und politischer Stabilität |
| Atommüll | Machbare Lösungen für Endlagerung sind in Entwicklung | Unlösbares Langzeitproblem, Generationen überdauernde Gefahr |
| Sicherheit | Moderne Reaktoren sind sehr sicher, Risiken beherrschbar | Unfallrisiko, auch bei modernen Anlagen nicht null |
| Kosten | Längerfristig wettbewerbsfähig, wenn Bauzeit und Kosten im Griff sind | Extrem hohe Anfangsinvestitionen, Kostenüberschreitungen |
Technologische Entwicklungen: Was die Zukunft bringt
Die Kernenergie ist kein statisches Feld. Während klassische Druckwasserreaktoren und Siedewasserreaktoren seit Jahrzehnten das Rückgrat der Atomstromproduktion bilden, wird intensiv an neuen Technologien geforscht, die potenzielle Antworten auf einige der drängendsten Probleme liefern könnten. Ein besonders vielversprechender Ansatz sind die sogenannten Small Modular Reactors (SMRs). Diese kleineren, oft in Serie gefertigten Reaktoren sollen flexibler einsetzbar sein, sicherer konstruiert werden und deutlich geringere Baukosten aufweisen als ihre großen Vorgänger. Sie könnten beispielsweise zur Versorgung abgelegener Regionen oder industrieller Komplexe eingesetzt werden. Die Marktreife und Kosteneffizienz dieser Technologien sind jedoch noch weitgehend unbewiesen, und es gibt bislang nur wenige konkrete Bauvorhaben.
Eine weitere spannende Forschungsrichtung ist die Nutzung von Thorium als Kernbrennstoff. Thoriumreaktoren versprechen höhere Sicherheit, weniger langlebigen radioaktiven Abfall und eine effizientere Brennstoffausnutzung. China hat hier bereits Pionierarbeit geleistet und experimentiert mit Thorium-Flüssigsalzreaktoren. Auch die Weiterentwicklung bestehender Reaktorkonzepte, wie z.B. fortschrittliche schnelle Brüter, die teilweise den Abfall anderer Reaktoren verwerten könnten, wird intensiv vorangetrieben. Diese neuen Technologien könnten die Kernenergie in einem positiveren Licht erscheinen lassen, doch es wird noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sie eine signifikante Rolle in der globalen Energieversorgung spielen.
Neue und zukünftige Kernkraft-Technologien
| Technologie | Beschreibung | Potenzielle Vorteile | Aktueller Stand |
|---|---|---|---|
| Small Modular Reactors (SMRs) | Kleine, standardisierte Reaktoren | Geringere Kosten, Flexibilität, kürzere Bauzeit | In Entwicklung, erste Prototypen |
| Thorium-Reaktoren | Nutzen Thorium als Brennstoff | Höhere Sicherheit, weniger langlebiger Abfall | Forschung und Entwicklung, erste Pilotanlagen |
| Fortschrittliche schnelle Brüter | Können abgebrannten Brennstoff wiederverwerten | Abfallreduktion, effizientere Brennstoffnutzung | In Betrieb (begrenzt), Weiterentwicklung |
Investitionslandschaft und ökonomische Aspekte
Die Aufnahme von Kernenergie in die EU-Taxonomie hat zweifellos das Potenzial, die Investitionslandschaft zu verändern. Plötzlich werden Kernkraftwerke für eine breitere Palette von Investoren und Finanzinstitutionen attraktiv, die auf nachhaltige Anlagen setzen. Dies könnte den Bau neuer Kernkraftwerke vorantreiben und die Finanzierung von bestehenden Anlagen sichern. Die EU hofft, dass diese Maßnahme die notwendigen Kapitalflüsse mobilisieren kann, um die Energiewende zu beschleunigen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Allerdings sind die ökonomischen Realitäten der Kernenergie nicht zu unterschätzen. Der Bau von Kernkraftwerken ist notorisch teuer und zeitaufwendig. Historisch gesehen sind Kostenüberschreitungen und Bauverzögerungen bei diesen Großprojekten eher die Regel als die Ausnahme. Dies macht sie zu einer riskanten Investition. Auch die Kosten für den Rückbau und die langfristige Lagerung des Atommülls sind beträchtlich und müssen in die Gesamtkostenbilanz einbezogen werden. Während die Betriebskosten von Kernkraftwerken wettbewerbsfähig sein können, stellen die enormen Vorabinvestitionen und die langfristigen Verpflichtungen eine finanzielle Herausforderung dar. Für Investoren, insbesondere im Hinblick auf die oft genannten Bedürfnisse von KI-Anwendungen, die große Mengen zuverlässigen Stroms benötigen, stellt sich daher die Frage, ob die Kernenergie die kosteneffizienteste und schnellste Lösung ist, verglichen mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Speichertechnologie.
Finanzielle Überlegungen zur Kernenergie-Investition
| Kostenfaktor | Anmerkungen | Finanzielle Auswirkung |
|---|---|---|
| Neubau | Hohe Investitionskosten, lange Bauzeit, oft Kostenüberschreitungen | Hohes Investitionsrisiko, lange Amortisationszeit |
| Betrieb | Stabile Stromproduktion, aber Kosten für Brennstoff und Wartung | Potenziell wettbewerbsfähig bei Vollauslastung |
| Rückbau | Komplex und kostspielig, langwieriger Prozess | Erhebliche, langfristige Kosten |
| Atommülllagerung | Kosten für die Entwicklung und den Betrieb von Endlagern | Extrem hohe und langwierige Kosten, unkalkulierbare Risiken |
Fazit: Zwischen Klimazielen und Sicherheitsbedenken
Die Frage, ob Kernkraft nun "grün" ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Die EU-Taxonomie hat die Tür für Investitionen geöffnet, indem sie Kernenergie unter bestimmten Bedingungen als nachhaltig einstuft. Dies wird von Befürwortern als notwendiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele und zur Sicherung der Energieversorgung gefeiert. Sie betonen die CO2-arme Stromerzeugung und die grundlastfähige Natur der Kernkraft.
Kritiker sehen darin jedoch ein gefährliches "Greenwashing", das die ungelösten Probleme wie die Atommüllentsorgung und das Unfallrisiko ignoriert. Sie argumentieren, dass die Mittel besser in den Ausbau wirklich nachhaltiger erneuerbarer Energien investiert werden sollten. Die internationale Landschaft zeigt, dass kein einheitlicher Konsens besteht: Während einige Länder auf Kernkraft setzen, steigen andere aus. Die technologischen Entwicklungen bei SMRs und Thoriumreaktoren könnten neue Perspektiven eröffnen, sind aber noch Zukunftsmusik. Letztlich bleibt die Debatte eine Abwägung zwischen der dringenden Notwendigkeit, die Emissionen zu senken und die Energieversorgung zu sichern, und den inhärenten Risiken und ethischen Fragen, die mit der Kernenergie verbunden sind. Die Entscheidung der EU wird zweifellos weitreichende Folgen haben, und die zukünftige Rolle der Kernkraft in der Energiewende bleibt ein spannendes, umstrittenes Thema.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Q1. Was genau besagt die EU-Taxonomie in Bezug auf Kernkraft?
A1. Die EU-Taxonomie stuft Investitionen in Kernkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als nachhaltig ein. Neue Anlagen müssen bis 2050 ein Konzept für die sichere Endlagerung von Atommüll vorlegen und dürfen keine erheblichen Umweltschäden verursachen.
Q2. Welche Länder in Europa setzen noch auf Kernkraft?
A2. Länder wie Frankreich, Großbritannien und Belgien betreiben Kernkraftwerke und planen teilweise deren Verlängerung oder Neubau. Deutschland hingegen hat den Ausstieg vollzogen.
Q3. Wie hoch ist der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromproduktion?
A3. Aktuell trägt Kernenergie etwa 9 % zur weltweiten Stromproduktion bei. Dieser Anteil ist seit 1996 (17,5 %) gesunken.
Q4. Was sind die Hauptkritikpunkte an der Kernenergie?
A4. Die Hauptkritikpunkte sind die ungelöste Problematik der radioaktiven Abfallentsorgung, das Unfallrisiko, hohe Bau- und Betriebskosten sowie die lange Bauzeit.
Q5. Was sind Small Modular Reactors (SMRs)?
A5. SMRs sind kleinere, oft in Serie gefertigte Reaktoren, die als sicherer, flexibler und kostengünstiger als herkömmliche Kernkraftwerke gelten. Sie sind aber noch weitgehend in der Entwicklungsphase.
Q6. Warum investieren Länder wie China und Indien in Kernkraft?
A6. Sie sehen Kernkraft als wichtige Technologie zur Deckung ihres rasant wachsenden Energiebedarfs und zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, bei gleichzeitiger Erreichung von Klimazielen.
Q7. Wie ist die CO2-Bilanz von Kernkraftwerken?
A7. Während des Betriebs sind Kernkraftwerke nahezu CO2-frei. Die gesamte Lebenszyklus-Bilanz (Bau, Brennstoff, Rückbau) muss jedoch betrachtet werden.
Q8. Was ist "Greenwashing" im Kontext der Kernenergie?
A8. "Greenwashing" bedeutet, dass eine potenziell umweltschädliche Aktivität als umweltfreundlich dargestellt wird, um ein positives Image zu erzeugen. Kritiker werfen der EU vor, Kernkraft durch die Aufnahme in die Taxonomie so darzustellen.
Q9. Welche Rolle spielt die Versorgungssicherheit bei der Kernkraftdebatte?
A9. Befürworter sehen Kernkraft als essenziell für eine stabile Grundlastversorgung an, die auch bei schwankenden erneuerbaren Energien das Stromnetz stabil hält.
Q10. Gibt es Alternativen zur Endlagerung von Atommüll?
A10. Derzeit gibt es weltweit kein abgeschlossenes, sicheres Endlagerkonzept. Es wird an Technologien geforscht, aber keine hat sich bisher als praktikable und weltweit anerkannte Lösung durchgesetzt.
Q11. Welche Länder bauen derzeit am meisten neue Kernkraftwerke?
A11. China ist weltweit führend im Bau neuer Kernkraftwerke. Auch andere asiatische Länder und Russland sind hier aktiv.
Q12. Sind Kernkraftwerke teurer als erneuerbare Energiequellen?
A12. Der Neubau von Kernkraftwerken ist in der Regel deutlich teurer und zeitaufwendiger als der Bau von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Die Betriebskosten können wettbewerbsfähig sein.
Q13. Kann Kernkraft die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren?
A13. Ja, da Kernkraftwerke im Betrieb CO2-frei Strom produzieren und somit fossile Brennstoffe ersetzen können.
Q14. Wie alt sind die meisten Kernreaktoren weltweit?
A14. Das Durchschnittsalter der weltweit betriebenen Reaktoren liegt bei etwa 32 Jahren. In Europa ist das Durchschnittsalter sogar noch höher.
Q15. Welche Rolle spielen neue Technologien wie Thorium in der aktuellen Debatte?
A15. Thoriumreaktoren werden als potenzielle sicherere und effizientere Alternative diskutiert, befinden sich aber noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase.
Q16. Ist Kernenergie wirklich eine Lösung für den Klimawandel?
A16. Das ist umstritten. Während sie zur CO2-Reduktion im Betrieb beiträgt, sind die Risiken und die Langzeitfolgen des Atommülls wesentliche Gegenargumente.
Q17. Was passiert mit den Kernkraftwerken, die abgeschaltet werden?
A17. Sie werden dem Rückbau zugeführt, ein komplexer und langwieriger Prozess, der auch mit radioaktiven Abfällen verbunden ist.
Q18. Werden Kernkraftwerke auch für die Energieversorgung von Rechenzentren in Betracht gezogen?
A18. Ja, die zuverlässige und grundlastfähige Stromversorgung durch Kernkraft wird auch für den steigenden Energiebedarf von Rechenzentren diskutiert.
Q19. Welche Länder in Europa haben die meisten Kernreaktoren?
A19. Frankreich hat mit Abstand die meisten Kernreaktoren in Europa, gefolgt von Großbritannien und Russland (das oft zu Europa gezählt wird).
Q20. Wie ist der Stand des Joint Research Center (JRC) Berichts zur Kernenergie?
A20. Das JRC hat die wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidung der EU-Taxonomie geliefert und bestimmte Umweltkriterien bewertet.
Q21. Können Kernkraftwerke flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren?
A21. Klassische Kernkraftwerke sind eher auf den Betrieb mit konstanter Leistung ausgelegt, obwohl es auch hier Entwicklungen hin zu mehr Flexibilität gibt.
Q22. Was bedeutet die EU-Taxonomie für zukünftige Investitionen in erneuerbare Energien?
A22. Kritiker befürchten, dass die Aufnahme von Kernkraft Kapital von Investitionen in erneuerbare Energien abziehen könnte.
Q23. Wie hoch sind die Kosten für den Bau eines neuen Kernkraftwerks im Durchschnitt?
A23. Die Kosten sind extrem variabel, aber Neubauten bewegen sich oft im Bereich von mehreren Milliarden Euro, mit erheblichen Risiken für Kostenüberschreitungen.
Q24. Gibt es eine internationale Einigung über die Einstufung von Kernkraft als nachhaltig?
A24. Nein, die Ansichten sind weltweit sehr unterschiedlich, was die globale Debatte und die Investitionsentscheidungen komplex macht.
Q25. Welche Rolle spielt die Bevölkerung bei der Akzeptanz von Kernkraft?
A25. Die öffentliche Meinung ist gespalten und oft von historischen Unfällen und Sicherheitsbedenken geprägt.
Q26. Können SMRs eine Alternative zu großen Kernkraftwerken sein?
A26. Sie könnten eine Ergänzung darstellen, insbesondere für spezifische Anwendungen, aber ihre breite wirtschaftliche und technologische Reife ist noch unklar.
Q27. Wie lange dauert die sichere Lagerung von Atommüll?
A27. Radioaktive Abfälle müssen über Hunderttausende von Jahren sicher gelagert werden, was eine immense technische und gesellschaftliche Herausforderung darstellt.
Q28. Welche Länder planen einen Neubau von Kernkraftwerken?
A28. Neben China planen auch Länder wie Indien, Russland, Südkorea und die Türkei den Bau neuer Kernkraftwerke.
Q29. Was ist die Kernenergie-Taxonomie der EU?
A29. Sie ist ein Klassifizierungssystem, das nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten definiert, um Investitionen in grüne Technologien zu lenken.
Q30. Ist die Debatte über Kernkraft abgeschlossen?
A30. Nein, die Debatte ist durch die EU-Taxonomie neu entfacht worden und wird die zukünftige Energiepolitik weltweit maßgeblich beeinflussen.
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die Einschätzung der Nachhaltigkeit von Kernenergie ist komplex und von verschiedenen Faktoren abhängig.
Zusammenfassung
Die EU-Taxonomie hat die Debatte um Kernkraft als "grüne" Energie neu entfacht. Während Befürworter die CO2-arme Stromerzeugung und Versorgungssicherheit betonen, warnen Kritiker vor Risiken und Abfallproblemen. Internationale Entwicklungen sind uneinheitlich, mit Ausbauplänen in Asien und Ausstiegsbestrebungen in Deutschland. Neue Technologien wie SMRs und Thoriumreaktoren könnten zukünftig eine Rolle spielen, die ökonomischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen bleiben jedoch bestehen.
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